Literaturpreisträger Boualem Sansal „Frieden ist ein Prinzip“ (Spiegel Online) – Ausschnitte in der Presse

Warum der letzte Satz der Rede Sansals nirgends zitiert wird und es gleichzeitig keinem auffiel, dass ausgerechnet der letzte Satz nun doch nicht von Algerien handelt, sondern (mal wieder) eine Handlungsanweisung für Israel ist.

„In der Paulskirche pries er Mahmud Abbas: Als dieser bei der Uno beantragte, Palästina möge als souveräner Staat anerkannt werden, hätten die Palästinenser erstmals „aus eigenem Willen heraus gehandelt“, ohne die arabischen Diktatoren oder die Arabische Liga vorher zu fragen.
Israels Ministerpräsident Netanjahu solle sich ein Beispiel nehmen und „mit all den Lobbys brechen, die aus dem Schutz ihrer fernen Paradiese heraus“ Israel zur Hartleibigkeit „anstiften“.“ (Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/sansal-sansal-1.1166285) „Die Gleichsetzung von Islamismus und Nationalsozialismus, für die er oft kritisiert wurde, wiederholt er allerdings nicht. Auch nicht seine Charakterisierung französischer Migrantenvorstädte als „Konzentrationslager“. (…) „Auch wenn sich der letzte Friedenspreisträger David Grossmann erst im Vorjahr ebenfalls für die Versöhnung zwischen Palästinensern und Israelis ausgesprochen hatte, hören die in der Paulskirche Versammelten das vielleicht nicht sonderlich gerne. Der Applaus hebt jedenfalls so abrupt an, dass man meinen könnte, die Festgemeinde sei froh über das Ende von Boualem Sansals unbequemen Worten.“ (Quelle: http://www.zeit.de/kultur/2011-10/boualem-sansal-friedenspreis) „Der schmächtige Sansal, der sich die grauen Haare zu einem langen Zopf gebunden hat, knöpft sich in seiner Rede auch den «ältesten Konflikt der Welt» vor: Israelis und Palästinenser dürften nicht weiter «auch nur einen Tag länger als Geiseln ihrer kleinen Diktatoren dahinleben, ihrer bornierten Extremisten, ihrer nicht zu entwöhnenden Nostalgiker, ihrer Erpresser und kleinen Provokateure».“ (Quelle: https://www.triboox.de/community/literaturnews/?news=3977), „Es ist ein bloßer Traum, wenn man sich wünscht, dass Nethanjahu ein Gleiches tut, indem er zur Uno geht oder nach Ramallah und dort das Prinzip des Friedens verkündet [wie Abbas, Saddat].“ (selbst transkribiert, nach Quelle: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1466348/Boualem-Sansal-erhält-Friedenspreis-2011)

Neues Gebäude für die neuen Frauen in der Chefetage der ThyssenKrupp AG?

Neues Gebäude für die neuen Frauen in der Chefetage der ThyssenKrupp AG. Krupp AG.

Frauenquote JETZT oder Wird die ThyssenKrupp AG umbenannt in die TussenKrupp AG?

Bei dem WDR 5 Interview von heute Nachmittag mit Fragen an Ralph Labonte, Personalvorstand der ThyssenKrupp AG kam heraus, dass die Industrie sich erst einmal etliche Jahre vorbereiten musste auf die Aufnahme von Frauen in den höher dotierten Berufssparten: Er schaue gerade auf ein wunderschönes Gebäude, das er morgen einweihen werde und was wesentlich dazu beitragen wird, dass mehr Frauen teilhaben können (an Macht und Erfolg und vielleicht auch weiteres Gelingen der ThyssenKrupp AG). Das Gebäude ist nicht etwa ein größeres, komfortableres Damen-WC (es wäre zu vermuten, dass es so etwas bis dato wegen der geringen Präsenz der Frauen in dem Bereich lediglich für die Besucherinnen gab) oder ein Fitnesscenter um es den Frauen trotz Überstunden und Stress schmackhaft zu machen in einem verstaubten Unternehmen anzufangen- nein es ist ein Kindergarten. Nun können also die Frauen kommen, da sie endlich die Möglichkeit haben, beides unter einen Hut zu bekommen. Wo hat Herr Labonte sein Frauenbild her? Scheinbar kennt er grundsätzlich nur Frauen, die nichts als (natürlich ihre) Kinder im Kopf haben und untrennbar mit diesen – anders als die Männer, die bereits bei ihm arbeiten – verwachsen sind, so dass sie nur bei ihm arbeiten können, wenn (ihre) Kinder in unmittelbarer Nähe verwahrt werden. Für die Männer wäre diese Anschaffung ja nicht notwendig, haben diese doch entweder keine Kinder (?) oder immer eine Frau zu hause, die diese umsorgt. Etwas erstaunt und amüsiert träume ich dem Moment nach, in dem ich tatsächlich mit Spannung auf die Erläuterung des Sinns des schönen Gebäudes wartete, was extra für die Frauen gebaut wurde und mir alles Mögliche vorstellte, nur keinen Kindergarten…

Terrorwelt

Die Klasse des ehemaligen Jungengymnasiums ist jetzt noch voll mit vielen Jungen, die Krokodil-Polos tragen und Maximilian heißen. Eine Handvoll gutbürgerlicher Mädchen, die allerdings unter sich bleiben, sind alibimäßig auch dabei und, dass darf man nicht vergessen, einige, deren Eltern nicht wussten, dass ihre Jungs dort nicht hingehören.
Die Jungs sind verloren.
Ich beobachte den symphatischen Haufen schon seit Wochen. Ungewohnt, dass sich jemand für sie interessiert, hat mich der erste Junge aus Klasse 6, mit dem ich mich genauer beschäftigt habe, versucht davon zu überzeugen, dass er tatsächlich seltsam ist. Schließlich nimmt man schnell als Kind die Meinung anderer an „und irgendwas abstoßendes muß man haben, wenn keiner einen leiden kann“. Unbegreiflich für einen Jungen, dass das nur an den Asselklamotten liegen kann, oder an dem fehlenden ´von` im Namen? Und so sitzen diese auch schon räumlich getrennt, an einem Tisch der einfach nicht mehr mitunterrichtet wird.
Auf meine Frage hin, was für einen Außerirdischen er gerade aus seiner Tonvase forme, sagte er, dass wäre ein Soldat von Counterstrike und machte dazu die passenden Sterbegeräusche. „Gut“, sagte ich, und fing mit ihm ein Gespräch über seine alltäglichen Nachmittagserlebnisse an, von denen ich, als Nichtspieler, wenig Ahnung habe.
Als der Junge in der zweiten Woche ein Relief machte, assoziierte ich sofort Graf Zahl von der Sesamstrasse und während ich seinen enttäuschten Blick sah, verbesserte ich: “ Nosferatu?“. Doch er belehrte mich, dass wäre doch sonnenklar „Freddy Krüger“. Und das Werk gelang ihm sehr gut. Nach der Stunde blieb ich an seiner Arbeit stehen und verteidigte sie vor allen bei der Notengebung. Irgendwie wusste jeder der KommilitonInnen das Relief dem passenden Schüler zuzuordnen und ich musste hart argumentieren, warum die Arbeit eine sehr gute Note verdient hatte. Aber damit tun sich die StudentInnen schwer, schließlich sitzen sie jetzt endlich selbst am Hebel „Daumen runter, Daumen hoch“ und man war in der Schulzeit schon genervt von solchen Sonderlingen, in deren Nähe man eine Mischung aus Abscheu und Voyeurismus erlebte.
Schließlich bekam der Junge seine gute Note, „obwohl seine Arbeit ja nicht ganz der Aufgabenstellung entsprach“. Und die Lehrerin erklärte, dass wäre nun auch egal, schließlich hat der Junge überall Fünfen und Sechsen und muss sowieso gehen. Emotionslos. „Ein Glück weg“.
Gewundert hat mich das dann auch nicht mehr…

Zugfahrt die Zweite

Neulich dachte ich, während ich dem Weinen eines Babys ein paar Sitze vor mir zuhörte, wie schön wär es doch, wenn jetzt jemand ein Instrument herausziehen würde, um die Kinder zu beruhigen. Ich dachte an ein bisschen Jazz geklimper oder den Sound einer Klarinette.
Einige Zeit später meinte ich, tatsächlich ab und zu Gitarren-Akkorde zu vernehmen. Und tatsächlich spielte da jemand, von dem ich nur einen grauen Anzug sah. Ich fand das interessant. Bleibt doch die Frage offen, wie lange ich die Musik bereits unterbewusst wahrnahm. Sie war immer nur bruchstückhaft zu hören, muss man wissen. Der Mensch hockte im Voraum, der durch die Glastür von mir und den anderen Sitzenden, getrennt war. Schön fand ich das und es stimmte mich seelig. Leider konnte ich den Mensch nicht sehen. Groß, gut gebaut, erfolgreich und trotzdem hockte er am Boden vor den Klos und spielte Gitarre.
Bei Stendal nahm er schließlich den Platz neben mir ein. Nicht direkt neben mir. Da saß schon ein Montagspendler aus Berlin, mit viel Bier und unklarer Sprache, der mir von anderen Fahrten bekannt vorkam und trotz Bierkonsum gut roch, oder vielleicht darum.
Allmählich wünschte ich, der Spieler wäre draußen geblieben und geheimnisvoll. Schließlich hatte er sogar Koteletten. Denn der steckte sich gleich seinen I-Pot ins Ohr und kam nicht mal auf die Idee, einer kleinen Mama aus Griechenland die Tasche auf das Gepäckregal zu wuchten und seinen alten Platz haben angetrunkene Biersoldaten eingenommen, die laut Zicke-Zacke-grölten.

Zugfahren, ein kollektives Ereignis

Ich frag mich immer, was diese Männer Ende 50 mit ihren Kameras um den Hals und unbeteiligten Blick, in Gleisnähe machen.
Heute auf der Fahrt, habe ich 2 gesehen. Einer stand mitten im Feld auf einem Vorsprung, knapp neben der Zugstrecke. Weit und breit kein Haus. Er sah ganz unvermittelt aus, in seinen bunten Regenklamotten.
Ein anderer stand in Hannover Fischerhof, ganz am Ende des Bahnsteigs, kurz bevor einem das Schild verbietet, weiter zu gehen.
Was machen die?
Vielleicht Fotografieren sie ankommende Züge, aber das wäre zu einfach. An manchen Tagen habe ich auch solche Männer gesehen und kurz danach eine alte Dampflock auf ihrer Museumsfahrt. Aber davon war heute keine Spur…Es muß also noch einen anderen Grund geben…
Und dann ist da noch der Typ, der immer in Hannover Bismarkstraße einsteigt.
Er hat eine Neonweste an, wie die Straßenarbeiter. Dazu trägt er Jogginghose zu längeren, wasserstoffblond-gefärbten und mittel-gescheitelten Haar. Das wirklich außergewöhnliche ist aber seine Ordensammlung, die er auf einem brusttaschen-ähnlichen Fell-Etwas aufgereiht vor der Brust trägt. Er steigt also ein, geht einmal durch den Zug und steigt am HBF wieder aus. Mann, und nie weiß ich wenn ich umsteige, in welche Richtung es dann weiter geht.